|
Man sollte meinen, es gäbe schon genug Ausbildungsstätten...aber ich glaube, davon kann es nie genug geben. Schon im Sinne der Individualität hat jeder Lehrer etwas eigenes und persönliches zu sagen und zu vermitteln.
Der Anlaß für meine Ausbildungswerkstatt ist die Existenz der vielen, vielen homöopathischen "Schulen" heutzutage:
Sie fördern m.A. nach eher die Tendenz der Uneinigkeit unter den Homöopathen, statt sie zu einen...und das ist sehr schade und auch schädlich für das Weiterbestehen der Homöopathie.
Meine Art, zu lehren, gründet sich auf nichts anderes als auf die Erinnerung und Besinnung "auf die Quellen". Diese Quelle ist für mich das Organon - so wie für alle auch, wird mancher jetzt sagen. Aber ich meine vor allem die erste Auflage, nachdem ich alle anderen gründlich studiert habe.
Ich fragte mich seitdem immer, warum Hahnemann immer weiter daran verbesserte - es ist vollkommen und es ist nichts hinzuzufügen.
Ich möchte sogar bezweifeln, ob die 6. Auflage so einen Siegeszug hätte erringen können, wie es die erste tat...ich glaube nicht. Gerade in der Kürze und Straffheit liegt und lag zu allen Zeiten seine "Schlagkraft"...man erinnere sich, daß Einsteins Relativitätstheorie nur wenige Seiten umfasste und trotz oder gerade deswegen die Physik und damit unser Weltbild revolutionierte, so wie es die erste Ausgabe des Organon tat.
Mit den Quellen meine ich aber auch die Arzneimittelbilder. Inmitten eines Durcheinanders von Essenzen, Ideen, Interpretationen, Sünden, Typen usw. laufen wir Gefahr, das Hauptanliegen der Homöopathie zu vernachlässigen: zu handeln nach "deutlich einzusehenden Gründen" und mit gänzlicher "Unbefangenheit der Sinne".
Schon Hahnemann selbst sah sorgenvoll diese Entwicklung voraus, wie er ja geradezu seherisch vieles vorwegnahm, was heute für uns schon schrecklich selbstverständlich ist. Er ahnte, daß die Einrichtung von Repertorien etwa seine Schüler dazu verführen werde, sich nur noch dieser Hilfsmittel zu bedienen, und die Quellen vergessen...
Wenn ich sehe, mit wie vielen Repertoriums-Argumenten, computer-gestützt, heute homöopathische Fall-Dokumentationen präsentiert werden, sehe ich die Aufgabe, die ich mit meiner Ausbildungswerkstatt zu tun habe - "homöopathisch sehen, denken und handeln lernen"- zu lehren.
Denn:
Was machen wir denn o h n e Repertorien oder bei Stromausfall?!?! Repertorien und PC-Programme sind ausgezeichnete H i l f s-M i t t e l ...aber eben n u r dieses. Wir selbst sind als Behandler die Hauptursache für effiziente und überzeugende Homöopathie.
Diese Eigenschaften (sehen und denken) sind lehr- und lernbar - sie sind wirklich durch gezielte Selbstschulung zu verwirklichen. Und das ist es, was im MELANIE-HAHNEMANN-KOLLEG geschieht.
Es ist nicht von ungefähr, daß meine Ausbildungswerkstatt ihren Namen trägt - Melanie Hahnemann - Weiblichkeit ist keine Geschlechtsfrage, sondern eine menschliche Eigenschaft, die auch Hahnemann in hohem Grade besessen haben muß, denn sie bedeutet Akzeptanz dessen, was heute oft milde lächelnd als Intuition oder so was bezeichnet wird. Und sie hat etwas mit Passivität zu tun, mit dienen, mit DEMUT - etwas, das heute leider vielen abhanden gekommen ist. Denn DEMUT bedeutet "MUT ZUM DIENEN" - von diesem DIENEN sprach HAHNEMANN oft genug...
Ohne diese Eigenschaften ist gute Homöopathie nicht möglich.
Alle existierenden Schulen habe ihre Berechtigung - solange wir sie wirklich n u r als Schulen betrachten - sie lehren jede eine Art der Betrachtung und daher immer nur einen Teilaspekt von etwas. Aber erst alles zusammen gibt das Ganze - wieviel einfacher ist es doch, das Ganze als existent vorauszusetzen, bevor wir es in Teilaspekte zerlegen!
Lernen und üben wir also wieder homöopathisch sehen, denken - und dann handeln - an den Quellen - mit Intellekt, Verstand und Weiblichkeit...selbst als ein GANZES DAS GANZE wahrnehmen üben.
- Dr. med. Annette Prollius
|