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Melanie Hahnemann, geb. d'Hervilly-Gohier hat mich seit je fasziniert - sei es, weil sie eine Frau ist, sei es, weil sie einen Tag nach mir Geburtstag hat, sei es, weil sie mit 34 Jahren von einem Buch so getroffen wurde, daß sie ihr ganzes Leben hinter sich ließ - so wie ich auch - sei es, weil sie eigentlich Porträtistin war - wie ich auch.
Außerdem war ich schon immer der Meinung, daß wir die Rolle dieser Frau nie gebührend gewürdigt haben:
Ohne sie hätten wir die Homöopathie nicht in ihrer heute noch gültigen Form, ohne sie keine LM-Potenzen, ohne sie vielleicht nicht einmal das letzte Organon.
Man stelle sich vor...da reist eine junge Frau aufgrund eines Buches nach Deutschland, um den Autor per Heirat nach Frankreich zu holen und ihn unglaublich zu motivieren, nachdem er sich bereits verbittert nach Köthen zurückgezogen hatte, mit seiner Familie und seinen Freunden zerstritten. Von Frauen hielt er ja nicht einmal in seiner Familie etwas - seine Tochter Leonore hatte ihm ihr selbstverfasstes Repertorium gewidmet, und er beschimpfte das Werk in aller Öffentlichkeit. Was war er eigentlich für ein Mitmensch?
Er war eben ausgesprochen konsequent.
Und sie war es auch.
Wir werden es nie genau wissen, ob sie kam, um ihn zu holen, oder ob sie sich ungeplant verliebte, ob sie überhaupt verliebt war oder ob sie auch ihn nur brauchte, um selbst Homöopathin werden zu können - was zählt, ist das Ergebnis und die Tatsache, daß sie durch ihre Existenz und ihr Handeln die Homöopathie glänzend in Frankreich etabliert hat und damit einen wichtigen Beitrag leistete im Überleben dieser Therapie.
Hahnemann selbst soll gesagt haben, daß er sich immer einen Mann gewünscht habe, und ihn nun in seiner Frau hätte...
Hinzu kommt, daß sie in einem unglaublichen Tempo Homöopathie lernte und ausübte. Die Pariser Krankenjournale zeigen recht deutlich, wer denn da das Sagen hatte...
Diese Besessenheit, dieser Kampfgeist, den sie mit Hahnemann teilte - das ist es, was ich heute so oft vermisse. Statt Begeisterung und Kampfgeist gleitet die Diskussion oft eher in Polemik oder Fanatismus.
Diese Eindeutigkeit - ein ganzes Leben daran zu setzen, homöopathisch arbeiten zu können, bis sie als alte Frau endlich die Anerkennung als homöopathische Ärztin zugesprochen bekommt...da ist Idealismus, wahre Be-geist-erung...
Diese Begeisterung will ich auch vermitteln, seit ich von der Homöopathie gefangen bin.
Meine früheren Tätigkeiten als Lehrerin und Porträtistin kommen mir dabei sehr gut zustatten - denn auch lehren sollte gelernt sein. Und Porträtieren schult die Beobachtung.
Deshalb nenne ich meine Ausbildungs-Werkstatt nach ihrem Namen und wünsche allen Teilnehmern, daß sie von dieser Begeisterung "infiziert" werden.
Den Namen "Werkstatt" hat ihr mein großer Lehrer Werner Buchmann verliehen - Werkstatt heißt ja, etwas bewerkstelligen, etwas Vorzeigbares produzieren. Ich möchte dazu beitragen, gute homöopathische Qualitäten bei meinen Schülern zu schaffen und zu verstärken.
Die Homöopathie ist nicht etwas, das man so irgendwie tut. Man muß sich auf sie einlassen, sich von ihr benutzen lassen, selber Werkzeug sein. Und wenn Gotthard Behnisch einmal sagte, daß ich mit der Homöopathie verheiratet sei, so fühle ich mich nicht nur geschmeichelt, sondern vor allem genau so - eben wie zuhause.
Und vielleicht hat sich Melanie so ähnlich gefühlt...vielleicht ist sie mir deshalb so Vorbild.
Trotzdem keine Angst:
Fanatisch bin ich trotz meiner Begeisterung nicht - die Homöopathie ist m.A. die zweitbeste Medizin der Welt - zusammen mit vielen anderen - aber sie ermöglicht die beste: die Selbstheilung. Theoretisch und praktisch kann der Mensch sich selbst durch innere Einstellung heilen - aber noch sind wir Menschen und brauchen noch irgendein Medium, etwas Vermittelndes. Und das ist eben die homöopathische Arznei.
Ehrlich gesagt:
Ich hätte Angst, in dieser unserer heutigen Welt Arzt zu sein - ohne "Kugeln und Nadeln". Ich habe bis jetzt noch nichts vergleichbar zuverlässiges gefunden, das lehr- und lernbar umzusetzen wäre.
- Dr. med. Annette Prollius
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